Angst fressen Seele auf – Hölle auf Standby

von | 20.06.2017 | Kaiserschnitt | 0 Kommentare


 

„Meine größte Angst ist, dass es in einem Kaiserschnitt endet.“

Gehört und gelesen habe ich diesen Satz schon so viele tausend Male, doch gespürt, wirklich verinnerlicht habe ich ihn nie. Für mich steht er jedoch symbolisch für die gesellschaftliche Gehirnwäsche von abertausenden Frauenköpfen, für das Versagen, aber nicht das Versagen der Frauen, die sich ja meist direkt selbst ins Opferfeuer werfen, sondern für das Versagen unserer Gesellschaft, unserer gesundheitsmedizinischen Politik und nicht zuletzt für unsere im Sterben liegende Geburtshilfe. Denn wenn die größte Angst einer Schwangeren heutzutage das Gesicht eines Kaiserschnittes zeigt, wenn sie an die Geburt ihres Kindes denkt, dann bleibt es doch nicht aus, dass wir uns fragen müssen, warum haben die Frauen ausgerechnet vor einem lebensrettenden Eingriff so viel Angst? Warum sind sie bereit bis an ihre Grenzen zu gehen, gar bereit dabei dem Tod in die Augen zu sehen, nur um das zu vermeiden? Und warum ist es so unfassbar selbstverständlich geworden, vor einem Kaiserschnitt mehr Angst zu haben, als vor Freddy Krueger, dem Sensenmann und dem Eintritt ins Rentenalter samt Pfandflaschenabo, gemeinsam? Eine Frau hat Kinder zu wollen, sie hat sie natürlich zu entbinden, sie hat sie zu stillen, sie hat, sie hat, sie hat… die Kernfrage ist doch: Wollen wir das wirklich? Sind das wirklich noch wir? Sind das unsere Bedürfnisse? Sind das wirklich unsere Ängste? Ist es so falsch das eigene Ich, das Wesen, den Körper, die eigenen Grenzen und Ängste zu hinterfragen? Wozu brauche ich als Frau eine Stimme, wenn sie niemand hören will? Wenn sie doch am Ende keinen Wert hat? Wenn sie nur dann gewürdigt wird, wenn sie ausspricht, was andere hören wollen? Ja, wir müssen keine BHs mehr verbrennen, um gehört zu werden, aber wer genau hört uns denn zu oder hören wir uns nur selbst zu? Sind wir wirklich noch Herrscher über unsere Ängste oder tragen wir auch nur die abgetragenen Klamotten von anderen auf?

Tausende Frauen, die ihre eigenen Kinder nicht ansehen können, die therapeutische Hilfe benötigen, in Wochenbettdepressionen abrutschen, die verarbeiten und verstehen wollen und müssen, die sich fühlen, als hätte man sie vom Kreißsaal direkt in die ureigene Hölle geschickt und nun ist ihnen der Weg in die Welt davor versperrt, auf Lebenszeit. Nicht alle Frauen durchleben dieses Szenario, aber viele, sehr viele und es werden scheinbar immer mehr. Ein Notkaiserschnitt ist nicht einfach nur der erlösende Rettungsanker, er lässt auch immer den Geruch des Todes zurück, nicht etwa, weil dieser oft genug schon wartend in der Tür stand, nein, sondern weil in den Frauen etwas stirbt, das Ganze zerstört sie und lässt sie auflösen, in ihre Einzelteile zerlegen und irgendwie ohne Plan wieder zusammensetzen, sie zerfallen regelrecht, schütteln sich kurz, bis sie wieder in der Form sind, stehen auf und leben weiter, irgendwie, nicht so richtig, aber sie geben sich Mühe, während sie innerlich verzweifelt, versuchen den Weg zurück zu sich selbst zu finden. Natürlich geht es nicht allen so, aber könnte jeder von uns sie schreien hören, wäre es ganz schnell ganz schön laut in unserem gemütlichen Ländle… denn, auch wenn es einigen von ihnen besser gelingt sich in Form zu schütteln, die Wunde bleibt. Auch unsichtbare Wunden sind und bleiben Wunden.

Kennt Ihr diese schlichten Haushaltsschwämme, die sich in Küchen und Bädern finden? Sie können noch so gequetscht und durchgerubbelt werden, sie verlieren einfach nicht ihre eigentliche Form, doch egal wie gründlich sie gereinigt werden, nachdem sie ihre Arbeit getan haben, etwas von dem Schmutz wird immer an ihnen haften bleiben und von innen zersetzt es sie langsam, bis der Schmutz sichtbar wird und nicht mehr abzuwaschen ist und irgendwann erträgt man den Anblick dieses Stück Drecks nicht mehr und wirft ihn weg, beerdigt inmitten von Bananenschalen und Joghurtbechern. Mit den Müttern ist es genauso, nur dass man Frauen, denen man den inneren Schmutz ansieht, nicht in eine Mülltonne setzt. Überall an ihnen klebt der Schmutz der Geburt, meist nur sichtbar für sie selbst, doch sie wissen, dass er da ist und egal was sie tun, um ihn loszuwerden, es wird immer etwas zurückbleiben, was so hartnäckig an ihnen haften bleibt, dass sie lernen müssen damit zu leben. Schwämme lassen sich entsorgen und neu kaufen, mit seelischen Narben gelingt das nicht. Und so klebt all dieser Dreck an ihnen und verschmutzt ihre Seelen, macht sie krank und kaputt und verändert sie. Es ist einfach zu sagen, »Hauptsache gesund«, wenn all diese vielen kleinen Schmutzteilchen einen um den Verstand bringen. Natürlich ist jede Mutter froh, ein gesundes Baby im Arm halten zu können, das allein ändert aber nichts an dem Verlust. Sie zerbrechen an ihren eigenen Erwartungen, an denen der anderen, an unerfüllten Wünschen, am Neid auf die, die es geschafft haben, an den Vorwürfen gegenüber sich selbst, an den Schuldgefühlen gegenüber ihrem Kind, an dem ganzen verdammten Dreck, der seit diesem Tag an ihnen haftet. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass sie vorher wissen, dass genau das mit ihnen passieren wird, wenn es zu einem ungewollten Kaiserschnitt kommt. Alle wissen es. Ja, wenn, dann… Gib ja alles! Bloß kein Kaiserschnitt! Halt durch! Alles nur das nicht, und wenn du von oben nach unten aufplatzt wie ein verdammtes Knallbonbon, scheiß drauf, alles ist besser als Kaiserschnitt! Alles, hörst du, ALLES!!11!!!1!! Hm, da komme ich doch ins Grübeln… wirklich alles? Auch dieser tolle Song von wie hieß sie noch? Bibi Singbloßniewieder? Gut, da müsste man aber doch eine Ausnahme machen, oder? Ich hoffe es doch inständig…

Nicht falsch verstehen. Es ist absolut okay enttäuscht, traurig und verletzt zu sein und wütend, ja, scheiße wütend zu sein, wütend auf die hässlichen Küchenfliesen, in denen in 3 Monaten immer noch Reste des Fruchtwassers kleben, wütend auf den sowas von nervigen Vogel vor dem Krankenhauszimmer, dessen Piepen im Kopf zum Vorschlaghammer mutiert, wütend auf die ganze beschissene Welt, wütend auf den elendigen Hurensohn, der sich Muttermund nennt und einfach nicht seine verkackte Rolle gespielt hat, dabei ist er doch genau dafür da und dann wo es darum ging, diese eine scheiß Aufgabe zu erfüllen, ausgerechnet da hält das Ding dicht. Kotz diese ganze Wut raus… ICH HABE WUT!!! Schrei es raus, Süße, ja, das ist verdammt gut, oder und du hast es dir verdient, wütend zu sein, du hast alles gegeben, was dir die Weisen und Besserwissenden geraten, gesagt und eingetrichtert haben und dann? Ja, nun liegst du hier und heulst und bist wütend und denkst, du hast es verkackt. Sei wütend, auf alles, aber bitte, Kleines, NICHT AUF DICH SELBST!!! Du bist wundervoll, du bist perfekt, du bist kein Fehler im System, dein Körper ist nicht dein Feind, aber sei noch ein wenig wütend, bis dich die Traurigkeit in dir an die Hand nimmt und euch aus der Hölle führt… viel zu viele Stimmen legen sich wie Gift in die Ohren von uns Frauen, Stimmen, die flüstern, wir hätten versagt, wir alle würden versagen, wenn wir uns nicht an die scheiß Regeln halten und alles nach Schema abläuft. WIR SCHENKEN LEBEN, IHR PISSER!!! Wie zur Hölle kann man dabei versagen? WIE?

Wut ist wichtig, sie will gespürt werden, gelebt werden, sie ebnet uns den Weg zur Traurigkeit und ohne die finden wir nicht zurück zu unserem Lachen. Ich verstehe jede Frau, die gerne natürlich entbinden wollte und ihr Geburtserleben beerdigen musste, weil es zu einem ungewollten Notkaiserschnitt kam oder weil es schon vor Geburtsbeginn hieß, nein, das wird nichts, es muss ein Kaiserschnitt geplant werden. Jede Frau hat ganz genaue Vorstellungen von so einigen Dingen in ihrem Leben: Traummann, Traumhochzeit, Traumgeburten. Und dann ist man mitten im Traumland und plötzlich lässt einen etwas Unerwartetes unsanft aus der Blase fallen, auf den nasskalten Boden der Realität und wir alle wissen, wie arschig diese Realität manchmal sein kann. Traummänner bumsen plötzlich die beste Freundin, Traumhochzeiten platzen und Traumgeburten enden in weiß gefliesten Operationssälen und alles, was bleibt ist der Blick in zwei Augen, die einen in ein Traumland schicken, welches gar keins ist. Das Leben zeigt oft genug sein Hinterteil und lacht uns aus, es fordert uns heraus und das nicht zu knapp. Nein, es geht nicht darum, all diese negativen Gefühle zu durchleben, sondern um den Punkt, dass schon vorher feststeht, was das Schlimmste sein könnte, ein Kaiserschnitt, die Hölle, ein Abschied für immer, ohne die Chance auf einen zweiten Versuch. Vorbei ist vorbei, es ist ein Ende, nach jeder Geburt, es gibt kein Zurück und nochmal neu, man muss es nehmen, wie es kommt. In diesem Satz steckt jedoch die ganze verdammte Zerbrechlichkeit der Geburtshilfe. In einem System, in dem diese Endlichkeit mit One-Way-Ticket nicht adäquat gewürdigt und das Thema Geburt sensibel drum herum konstruiert wird, kann Gebären nicht funktionieren. Hinter dem System Geburtshilfe in Deutschland liegt eine Spur blutroter Schwämme und jeder, der von Blicken nach vorne spricht, muss auch den Schneid haben, zurückzublicken und den Geruch des Versagens tief einzuatmen und bitte eine richtig große Nase davon, damit sich auch die hinterletzten Nasenhaare krümmen.

Das Perverse daran ist jedoch, es ist bereits Teil unserer heutigen Normalität, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt leiden. Und es ist nicht einfach so, es ist sogar ihr verdammter Auftrag, immerhin garantiert ihr Leid jede Menge Arbeitsplätze: Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, Autoren und Journalisten, Ärzte und noch eine Menge andere, die alle am Leid der Mütter verdienen. Wer bräuchte sie noch, wenn es den Frauen nach einem Kaiserschnitt gut gehen würde? Wenn sie nicht traumatisiert, geschockt, zerfallen und schmutzig wären? Nein, das ist keine weitere verkappte Verschwörungstheorie. Niemand traumatisiert ganz gezielt und bewusst all diese Frauen, aber großartig bemüht um einen Schutz davor ist auch kaum ein Mensch. Es war schon immer einfacher, den Dreck hinterher einfach aufzuwischen, als vorher ein Warnschild anzubringen. Vielleicht sind Frauen auch einfach nur Dreck, von denen anderer Dreck abfällt? Um Dreck muss man sich ja nicht kümmern, gelle. Und es ist nicht nur so, dass es normal ist, dass es Frauen schlecht zu gehen hat, sie werden in ihrem Schmerz noch bestärkt und aufgefangen, nachdem das System Geburtshilfe sie erst fallen ließ. Es gibt unzählige Bücher auf dem Markt, die sich nur damit befassen, Frauen nach einem unglücklichen Kaiserschnitt aufzubauen oder ihnen erst all die vielen kleinen beschissenen Details vor Augen führen, selbst die, an die das eigene Herz noch gar nicht herankam, aber es gibt so gut wie kein Buch, das sie genau darauf vorbereitet. Es gibt kein „Die Hölle für Dummies“ oder sowas wie „Heul leise im OP!“ In Gruppen weinen Frauen gemeinsam, sie zelebrieren ihren Schmerz und versuchen sich gegenseitig Halt zu geben, doch wie soll man den finden, wenn man noch nicht einmal einen Sinn in dem Geschehenen erkennt? Wie soll man lachen lernen, wenn alles was einen umgibt, Tränen sind? Es sind meist eben diese zerfallenen Frauen, die nicht begreifen, wie andere Frauen lachend und freudestrahlend mitten in diese Hölle marschieren können und denen es damit auch noch wunderbar geht. Wie soll der Kopf das auch zusammenbekommen? Meine Hölle ist nicht deine Hölle… aber erklär das mal dem eigenen Herzen, was vor Kummer schreit. Weine Kleines, weine aber bitte nicht um mich, dein Schmerz ist nicht mein Schmerz, ich schreibe meine eigene Geschichte, in meiner Hölle gibt es keine Fliesen, in meiner Hölle tanzt Spongebob mit einer Schere um seine Ananas und setzt in der Mitte an, bis seine Tür groß genug ist, damit selbst das Haifischmädel durchpasst… und Baby, Schnitte heilen nicht, sie reißen in der Seele immer weiter, vielleicht nicht in deiner, aber in meiner würden sie es bestimmt. Deine Hölle, meine Hölle, nicht mixen, das Leben ist kein verdammter Cocktail… besser ist das auch, Alkohol brennt ja wie Feuer auf einer Wunde…

Das oben angeführte Zitat ist also nur ein Teil dieser normal gewordenen Realität, es gehört schon dazu, sich zu fürchten, sich Gedanken zu machen, sich auf die Hölle vorzubereiten, dem Schmerz schon einmal ins Auge zu sehen, völlig unberührt davon, dass niemand gezwungen ist, sich dies so negativ anzunehmen, doch normal ist normal, es ist eben so, es gehört einfach schon dazu, Angst vor der Gebärhölle zu haben, lange bevor man ihr auch nur im Ansatz zu nahe kommen konnte. Die Gedanken und Gefühle sind geprägt, sie liegen bereits fertig gedacht und gefühlt im Schrank, bereit für ihren Einsatz, wie Kontaktlinsen. Und doch trifft es die meisten dann mit voller Wucht. Die Hölle liegt abgeheftet im Kopf und wird sofort abgerufen, sobald irgendwie verarbeitet wurde, dass es wirklich passiert ist. Die einzige positiv gestimmte Vorbereitung auf den Ernstfall liegt nur im Vermeiden von eben diesem, im mantraartigen Eintrichtern, dass es ja nur andere treffen wird, aber nicht einen selbst. Doch genau darin liegt die Krux. Die Wünsche, die Bedürfnisse, die Hoffnungen und damit verbundenen Emotionen werden so eng mit dem Gedanken verknüpft, dass alles, was getan wird, dem Vermeiden des Worst-Case-Szenarios hilft. Positiv ist das nicht, im Grunde ist das eher die Vorbereitung auf die Hölle, die gar keine sein müsste, wenn sie nur anders abgeheftet werden würde.

Nun, warum ist es also das Schlimmste, dass eine Geburt, gewünscht natürlich, in einem Kaiserschnitt enden könnte? Weil es so ist. Ganz einfach. Weil bei einem ungewollten Kaiserschnitt oft genug die ganzen Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen zu einem Brei werden, der dann gefressen und ausgekotzt wird. Jetzt möchte ich nochmal lauter fragen, warum ist das nur das Schlimmste? Warum nicht der Tod des Kindes? Oder der eigene und der des Kindes? Wo ist diese Angst? Das ist genauso einfach: weil es dafür keine Akte im Kopf gibt, einfach, weil es so schrecklich ist, sich das nur vorzustellen, dass es lieber ungedacht bleibt. An zweiter Stelle steht die Frau und damit ihr Geburtserleben, da wundert es nicht, wenn Platz 1 nie ausgesprochen wird und Platz 2 dafür umso öfter. Babys sterben nicht und Mütter leiden nach einem ungewollten Kaiserschnitt, das ist so und hat so zu sein, da braucht niemand eine eigene Akte im Kopf, das erledigt die Gesellschaft schon für alle. Und ich fürchte, es wird schwierig werden, diese Akten aufzubrechen, sie aufzuweichen und andere Wege zu zeigen, die Bedeutung auf die Vorbereitung, positiv besetzt und realistisch optimistisch, nicht im Einhornland romantisch verklärend… mich befriedigt diese Antwort nicht, es ist Teil eines völlig falschen Systems, in dem Frauen mit ihren Kindern untergehen, obwohl es ihnen gut gehen könnte, gut gehen müsste.

Ich spinne diese gedankliche Frage einmal weiter: Wenn das Schlimmste, was sich viele Frauen ausrechnen unter der Geburt ein Kaiserschnitt ist, warum werden die Frauen darauf nur unzureichend vorbereitet? Warum hat ihre Angst einen anderen Stellenwert als die Angst einer Frau vor einer natürlichen Geburt? Warum werden mögliche Traumata nicht im Keim erstickt? Warum werden die Frauen nicht aufgefangen, noch bevor sie fallen und hart landen? Warum werden sie in wohlig warme Worte eingelullt, in denen sie sich durch die Geburt kuscheln sollen, wenn sie sowieso immer die Hölle vor Augen haben, wissend, der Teufel persönlich bräuchte nur die Hand nach ihnen ausstrecken und bäm, wieder eine verlorene Seele mehr? Ich könnte jetzt meiner inneren noch jungen Feministin die Antwort überlassen, doch dabei würde unsere Gesellschaft nicht gut wegkommen. Ist es womöglich eine Folge des Patriarchats? Wo stehen wir denn als Frauen, wenn sich viel zu wenige damit befassen, was wir vor einer Geburt denken und fühlen, wovor wir uns fürchten und wie es uns danach geht? Wochenbettdepressionen sind verpönt, die Erwartungen an uns Frauen sind dafür klar umrissen. Sind die Traurigkeit, die Enttäuschungen, die Wunden, der Schmutz in uns nur die unweigerliche Folge der auseinanderklaffenden Erwartungshaltungen? Geht es hier wirklich um den Kaiserschnitt oder nicht etwa doch um den wahren Wert jeder Frau und ihren Platz in der Gesellschaft? Wo genau beginnt ein Geburtstrauma eigentlich? Im Kreißsaal? Oder wird der Grundstein dafür nicht schon mit Beginn einer Schwangerschaft jeder Frau in die Hand gedrückt, dazu ein Probepäckchen Windeln und Körperöl gegen Schwangerschaftsstreifen, all inclusive sozusagen, Trauma ohne Aufpreis, na wie nett. Da fehlen eigentlich nur noch ein paar geschmacklose Pralinen auf den Gebärbetten… nur das Beste für… ja, für wen eigentlich?

Warum ich mich mit Notkaiserschnitten befasse, wenn ich mich ja augenscheinlich den gewünschten Kaiserschnitten widme? Einfache Antwort: Weil ein Großteil der Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen, die Hölle, von der ich hier schrieb, bereits kennen. An so vielen Wunschkaiserschnitten klebt Blut und das nicht zu knapp. Ich könnte es mir einfach machen und das ausblenden, aber das möchte ich nicht, es gehört alles zusammen. Ich kann nicht das Eine sehen und mich vor dem Rest verstecken, das wäre falsch. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich, vor Ehrfurcht zusammenrutschend, die galaktische Größe dieser Thematik, die geburtshilfliche Galaxie, erkenne und mich frage, ob die einzelnen Teilchen, die ich in diese Sphäre entsende, überhaupt etwas an Licht abgeben. Ich hoffe es. Zumindest werde ich nicht müde, es verstehen zu wollen, diese Größe erfassen und begreifen zu wollen. Gebären ist so viel mehr als pressen und schneiden, es ist die pure Weiblichkeit. Jede Geburt ist ein Spiegel, in dem sich das Gesicht der Mutter, das des Vaters und der gesamten Gesellschaft zeigt, doch genauso sehen wir darin unsere größten Ängste… Aber wartet…. Eine Frau hat doch keine Angst zu haben, eine Frau hat dies, sie hat das, sie sollte, sie müsste, sie kann doch nicht… STOPP!!!

Ich stehe auf und atme tief ein, ich schließe meine Augen und schreie, so laut ich kann, bis meine Stimme versagt und ich beginne zu weinen, um uns alle, und ich weine solange bis ich aus meinen Tränen einen verdammten Tequila zaubern kann… Lecken, Schlucken, Beißen, runter mit dem Zeug und dann nochmal alles von vorne… also wie war das mit der Angst und wer frisst hier wen? In diesem Sinne, Prost Mädels, auf uns!