Auf sie mit Gebrüll! Wenn Mütter Mütter dissen…

von | 11.10.2016 | Im Fokus | 0 Kommentare


 

Wenn eine Frau ein Kind bekommt, geschieht etwas mit ihr, etwas Wundervolles sollte man meinen, ja, das auch, aber nicht nur, denn mit dem Eintritt in die elitäre Mütterwelt wird in jeder Frau etwas freigesetzt, was aus ihr eine verbal bis an die Zähne bewaffnete Amazone macht, die dir nur allein mit Worten die Falten aus dem Gesicht bügeln könnte, sofern sie das vorhat. Und das hat sie, das haben sie alle, manche mehr, andere noch viel mehr. Damit schließe ich mich selbst auch nicht aus, denn auch ich bin eine Mutter und ich habe Waffen und verdammt, ich setze sie auch ein. Und wenn du dich mit deinem Penis nicht gerade in meinen Blog verirrt hast, dann hast du sie auch und ich verwette meinen schwangerschaftsgeplagten Hintern darauf, dass du sie auch schon eingesetzt hast. Im wahrscheinlichsten Fall sogar in den letzten 72 Stunden, noch wahrscheinlicher tippend an einem PC, Laptop oder auf dem Smartphone. Na, stimmt’s oder stimmt’s?

rage-1574667_1280

Natürlich stimmt es, gib es zu, mir kannst du es doch sagen… Ja? Na bitte und worum ging es dabei? Stillen oder Flasche? Impfen oder nicht, ach nein das nicht, das ist ja keine echte Option oder war es doch das Familienbett, die Wahl zwischen Babytrage, Tuch und Kinderwagen, selbst gekochter Brei versus Gläschen, Krippe oder doch Elternzeit verlängern… die Themen sind bekannt und jede Frau mit Kind hat sich schon mindestens an einer dieser Thematiken die verbalen Zähne eingehauen. Mir geht es hier jedoch, neben dem allgemeinen psychologisch interessanten Aspekt, dass Mütter Mütter dissen und das nicht zu knapp, um ein ganz anderes Thema. Ich nehme an, wer meinen Blog kennt oder zumindest die Domain lesen kann, wird sich denken können, von welchem Thema ich rede. Rischtisch! Mein tägliches Kampfthema ist bekannt, die Arena klar definiert und der Moderator in meinem Kopf brüllt die Kampfansage in sein Mikro. In der einen Ecke der böse, allseits gehasste Kaiserschnitt und in der anderen Ecke die natürliche, stets bessere Spontangeburt. GONG. Der Kampf beginnt. Jeden Tag, immer wieder von vorn, als ob irgend so ein Witzbold nichts Besseres zu tun hat, als wie irre auf den verdammten Resetknopf zu drücken. Wenn den mal eine erwischt, die darf ihm von mir gerne eine reinziehen, aber so richtig und dann den Finger ab… der darf auch nicht mehr aufstehen… na du verstehst mich schon…

Aber bis der Typ mal weg ist und ich nehme an, der wird nie gefasst werden, geht der Kampf weiter. Und gerade das Thema rund um die Geburt ist so sensibel wie kein zweites. Es gibt nur eine Chance für eine Geburt. Für alles andere gibt es Alternativen oder ein zurück, ein neu probieren, eine zweite, dritte, vierte und fünfte Chance, ein umdenken, ein neu orientieren, aber ein Kind bekommen kann man eben immer nur ein Mal und genau dieser Punkt macht dieses Thema so explosiv. Es gibt kein »Ach komm, das machen wir nochmal, das war scheiße!«. Das geht einfach nicht. Und auch ein weiteres Kind kann nicht retten, was bei einem vorherigen Kind schief gelaufen ist, es ist und bleibt eine Narbe im Herzen, wenn es nicht so war, wie wir es wollten, für immer und ewig. Sie verblasst vielleicht, aber sie verschwindet nie ganz. Und genau deswegen sollten Frauen wählen dürfen, selbstbestimmt und frei, ihren eigenen Weg findend und ermöglichend, egal wie dieser aussieht, denn ja, es gibt nun mal keinen zweiten Anlauf und niemand kann ersetzen, was fehlt oder genommen wurde. Manche führt der Weg in den Kreißsaal, andere in ein Geburtshaus und wieder andere in einen OP, doch anstatt uns allen den gleichen Freiraum zuzugestehen, hagelt es Verbotsschilder und wir gebrauchen die hochmodernen Medien, um uns gegenseitig in die digitalen Brustwarzen zu kneifen, anstatt uns alle dafür zu feiern, dass wir wählen dürfen und uns dann gemeinsam für bessere Möglichkeiten und Bedingungen einsetzen. Und wo geht so ein verbaler Pussykampf besser als im Internet? Klar, da hören Klaus und Berta von nebenan auch nicht gespannt zu, wenn sich die Mütter aus dem Haus gegenseitig verbal in die heiligen Tempel treten, nein, ganz heimlich, still und leise wechseln die Gehässigkeiten die Besitzer und es ist so einfach geworden. Leider.

Ganz oben auf der Hitliste der Diskussionsebenen stehen dabei die sozialen Medien, hier sei zuerst Facebook genannt, was offensichtlich so heißt, weil man sich dort bravourös verbal die Fresse, äh ich meine natürlich das Gesicht polieren kann und die Menschen wissen die Idee des Herren von und zu Berge voller Zucker gekonnt umzusetzen. Kein Beitrag, keine Gruppe, keine News ohne eine zünftige verbale Schlammschlacht, in der blutigen Uncut-Version versteht sich, weil wenn schon, denn schon. Was dort für Wörter in die Tasten geklopft werden, während die Kinder nebenan schon die zehnte Runde Memory spielen, geht auf keine Wiese voller Kühe. Frauen, die ihren Kindern 30 minütige Standpauken halten, weil sie es sich erdreistet haben im Supermarkt zu popeln, mutieren zu einem Niveau vergessendem und verbale Tritte unter der Gürtellinie verteilendem Mob, der unaufhaltsam durch das weltliche Internet rollt und alles niederwalzt, was nicht bei 3 den Powerknopf gedrückt und sich offline in Sicherheit gebracht hat. Und das überall, jeden Tag, in dieser Minute, genau jetzt, während du das liest, sitzen irgendwo zwei Frauen, in jedem Gebäude dieser Welt, mindestens, die sich gerade digital die Milch aus den Brüsten prügeln. Doch warum nur? Warum zur Hölle machen sie das? Warum machst du es? Warum mache ich es?

Weil wir es können! Ja, Mädels, so ist das. Gelangweilt von unseren Männern, die von uns so angepasst und verweichlicht, enttestosteronisiert, glatt rasiert und bis in die Haarspitzen zurechtgestutzt wurden, dass es keinen Spaß mehr macht, die weiblichen Schultern hochzuziehen und uns gegen sie zu behaupten, stürzen wir uns nun in unserem hormongefluteten Dasein aufeinander und zerfleischen uns gegenseitig. Mit wem wollen wir denn auch streiten, wenn der eigene Mann freiwillig das vegane Duschbad kauft und in seiner Skinnyjeans einen geileren Arsch hat als wir selbst, wenn nicht mit uns, weil wir offenbar nicht ertragen, was wir aus uns, aus ihnen und unserem Verständnis für Familie und Kinder haben werden lassen. Worum geht es eigentlich? Geht es wirklich um die böse Flaschenmilch oder die geburtstechnische Ausgeburt der Hölle, namens Kaiserschnitt, oder geht es in Wahrheit um uns selbst? Sind wir überhaupt noch diese Kategorie Frauen, die ihre BHs niederbrennen und uns damit für unsere Rechte einsetzen oder sind wir die, die sich damit gegenseitig strangulieren weil wir des Kämpfens müde sind obwohl das Feuer noch brennt? Oder sind wir mit all den Freiheiten, die uns unser Land mittlerweile einräumt, einfach überfordert? Ja oder nein? Flasche oder Brust? Heiraten oder wilde Ehe? Studium oder Ausbildung? Schlucken oder spucken? Wissen wir überhaupt noch was wir wollen oder ist jeder Tag nur ein neuer Kampf mit uns selbst? Und wenn ja, worum kämpfen wir eigentlich? Und wogegen, mit wem, gegen wen und überhaupt?

Mal ehrlich, Hand aufs Herz, warum tun wir uns das gegenseitig an? Wieso erlauben wir es uns immer wieder, unsere wertvolle Lebenszeit damit zu verschwenden einer anderen Mutter verbal die einfachsten Fähigkeiten abzusprechen? Warum ist es so schwierig und unvorstellbar für so viele von uns, darauf zu vertrauen, dass das digitale Gegenüber schon weiß, was es tut? Gut, ich gebe zu, wenn der einem direkt ins Auge springende IQ von manchen Frauen dich nicht einmal trifft, weil er so klein ausfällt, dann, ja dann, kann man schon mal Bock bekommen durch das Display zu greifen und sie so zu schütteln, bis es IQ-Punkte regnet. Um diese Mütter geht es nicht, die sind schon mit sich selbst bestraft genug, nein, ich rede von den Frauen, die das was sie schreiben und sagen, nicht mit Dummheit entschuldigen können, von denen, die genau wissen was sie sagen und das sogar auch so meinen, die das wirklich so sehen und empfinden und nicht müde werden, dir das auch an den Kopf zu hauen und das bei jeder sich nur bietenden Möglichkeit. Von genau dieser Sorte Mütter spreche ich. Gebildet, erfahren, mit beiden Beinen im Leben stehend, sozial integriert und in der Lage einen Mann um den Verstand zu vögeln, sofern sie ihm diese Ehre zugesteht. Diese Frauen sind es, die sich irgendwo in den digitalen Fischernetzen verfangen und nur schwer alleine wieder hinausfinden. Sie gebrauchen Worte, die sie vor dem Zeitalter des Internets nicht einmal buchstabieren konnten und es auch nicht wollten, immerhin waren sie ja jemand, ja, jemand, der zu klug war, um so daher zu reden und sich so tief in den Abgrund ziehen zu lassen. Offenbar auch so eine weibliche Eigenschaft, die sich in Fundbüros der Geburtsstationen zuhauf finden ließe, würde es sie tatsächlich geben. Sind Mütter noch die Frauen, die sie vorher waren und wenn ja, wer waren sie vorher und wenn nicht, wer zur Hölle sind wir dann und wieso sind wir dazu verdammt uns gegenseitig durch den Kakao zu ziehen, bis der Schlüpper kneift?

Wir haben so viel Freiraum, dass es uns offenbar zu erdrücken droht, so paradox es klingt. Wir wissen mit lauter Freiheit nicht wohin, täglich stehen neue Entscheidungen an, die alle getroffen werden wollen und keinen Aufschub erlauben. Wir müssen wählen, immer wieder, jeden Tag und das auf Basis des eigenen mütterlichen Bauchgefühles, was sich am Ende mitunter nur als Blähungen herausstellen wird, aber bis wir das erstmal gecheckt haben, werden sich einige faulige Achterbahnen durch unser Mutterherz gewühlt haben… ja bis dahin dissen wir die anderen weiter, denn sie erinnern uns daran, was wir alles zu entscheiden haben und das lässt uns durchdrehen, wir wollen eine Pause, nein, wir brauchen sie, wir verbrennen allesamt im mütterlichen Kampfsaal, unsere Herzen erlöschen vor lauter Freiheit, weil sie so riesig geworden sind, dass wir nicht mehr wissen, wie wir sie füllen sollen und wir sind der Entscheidungsfreude überdrüssig. Wir haben es satt. Und dann sitzt Frau abends auf der Couch und fragt den Typen neben ihr, der nach in Vanille getauchte Himbeeren duftet und seinen rasierten Hintern in der perfekt sitzenden Skinnyjeans aufs Polster presst, wie er die elterliche Frage des Tages entscheiden würde und er sieht in ihre Augen, und sagt mit stoischer Gelassenheit nur »Entscheide du das Liebling!« und schon wird in ihr ein neues Kapitel des emotionalen Psychothrillers aufgeschlagen, das Display leuchtet, die hässliche, blaue Fratze lacht dich aus und die Jagd beginnt erneut.

Auf sie mit Gebrüll! Und warum? Weil wir es (nicht lassen) können!

Doch warte, bevor du dir Fackel und Mistgabel schnappst, sage mir noch, wie würde deine Antwort lauten? Auf das große warum? Und würde sie dir gefallen? Würdest du dich für sie schämen oder wärst du stolz? Was macht die Antwort mit dir? Mit deinem Selbstverständnis als Frau, als Mutter? Willst du dir die Frage überhaupt stellen? Hast du schon die Kraft sie dir zu stellen? Traust du dich, dir mal an die eigenen Titten zu fassen und dich zu fragen, was zur Hölle du da eigentlich machst?

Ich habe meine Antwort gefunden, in mir, in jedem, der mir je begegnet ist, in jedem Wort, was meine Tastatur verlässt und ich war nicht immer stolz auf mich, ich bereue so manchen Satz, den auch ich in die Welt gemeißelt habe, ich zähle heute bis 10 bevor ich etwas tippe, ich atme tief ein und aus und frage mich, ob es das wert ist, lohnt sich der verbale Kampf oder lenke ich meine Energie auf etwas anderes und dann schließe ich die Augen, denke an meine Antwort, an mein inneres Feuer und an den Grund warum es immer noch brennt und ich fühle mich so viel freier, so viel mehr Frau, seitdem ich mich wiedergefunden habe.

Bist du bereit? Warum? Weil du es kannst!