Ganzheitliche Narbenpflege nach einem Kaiserschnitt

von | 14.01.2016 | Die Zeit danach | 0 Kommentare


 

Vorsichtig setzt der Arzt sein Skalpell an und eröffnet deinen Bauchraum, nur wenige Minuten später ertönt im OP ein Schrei – ein neues Leben ist angekommen und bereit, sich dieser Welt zu stellen und neugierig nach allem zu greifen, was ihm geboten wird. In diesem Augenblick hat dein Körper seine wunderschöne Aufgabe erfüllt und es setzt sich bereits ein naturgegebener Heilungsprozess in Bewegung. Die Wunden werden vernäht, du und dein Kind habt Zeit euch kennen zu lernen, und die kleinen Füße, Augen und Hände sind dir in diesem Moment so viel wichtiger als dein Körper.

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Doch spätestens beim ersten Besuch der Nachsorgehebamme beginnen die Narben des Kaiserschnittes, innen wie außen, eine Rolle zu spielen. Eine lange, noch stark gerötete und empfindliche Narbe hat sich über deinen Bauch gelegt und ist von nun an Teil deines Körpers. War der Eingriff nicht gewollt, kommen oft noch seelische Narben hinzu, die ebenso Pflege und Zuwendung bedürfen. Eine anstrengende Schwangerschaft, eventuell eine vorangegangene Spontangeburt und anschließend der Kaiserschnitt – das alles muss ein einzelner Körper erst einmal verarbeiten. In den ersten Wochen, dem sogenannten Wochenbett, ist es daher besonders wichtig sich zu schonen, zu erholen und sich an das Leben mit dem neuen Erdenbürger zu gewöhnen.

Hat die Narbe ihre starke Rötung verloren und krustet nicht mehr, kann vorsichtig mit der ersten Pflege begonnen werden. Ideal hierfür sind spezielle Narbenpflegeöle sowie Cremes, Sprays und Fette, die für die Verwendung von Narben eigens konzipiert wurden. Am Anfang reicht es aus, die Narbe regelmäßig einzucremen oder zu ölen, um die Heilungskräfte der Narbe zu unterstützen. Jede Frau schwört auf ganz eigene Mittel für ihre Narbe und nach Beratung oder Austausch mit anderen wirst auch du sicherlich etwas finden, womit du dich wohl fühlst. Vielleicht ziehst du ein Öl einer Creme vor, suchst gezielt Beratung in einer Apotheke oder du liebst einen ganz bestimmten Duft, mit dem du positive Gefühle verknüpfst, und möchtest ihn auch in deiner Narbenpflege wiederfinden. Auch Mittel aus der Naturheilkunde werden für die Narbenpflege und Wundheilung nach der Geburt angeboten. Hierzu gehören vor allem Schüsslersalze, in Form von Tabletten und Salben, Globuli wie beispielsweise Arnica montana, sowie Ringelblumensalben und Bachblüten. Produkte gibt es zahlreich und es wird auch sicherlich etwas Passendes für dich dabei sein.

Nach einem operativen Eingriff ist es üblich, dass nicht nur die Narbe selbst, sondern auch die umliegenden Strukturen Pflege benötigen, um wieder in ihre alte Form zurück zu finden. Viele Frauen berichten nach einer Kaiserschnittentbindung von Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder ähnlichen Gefühlsstörungen um die Narbe herum. Wichtige Strukturen wurden getrennt und müssen wieder zueinander finden, mit Berührungsreizen kannst du den Heilungsprozess unterstützen. Dein Körper braucht viele neue Reize von außen, um die verstörte Gefühlswelt in der Bauchgegend neu zu aktivieren. Intensives Einschäumen deines Bauches mit einem Waschlappen oder Badeschwamm, vorsichtiges Abbrausen mit dem Duschkopf oder leichte Massagen mit den Händen, mit sanftem Druck, sind ein guter Weg, um dem Körper zu helfen, sich zu regenerieren. Doch auch die inneren Narben profitieren von so viel Zuwendung – Berührungen regen die Durchblutung und damit die körpereigene Wundheilung an und unterstützen somit auch die Heilung der inneren Wunden.

Etwa sechs bis neun Monate nach dem Kaiserschnitt sind die äußeren wie inneren Wunden bei den meisten Frauen bereits gut verheilt und dennoch kann man auch an diesem Punkt der Wundheilung den Prozess noch aktiv unterstützen. Durch eine leichte Bauchmassage mit Igelbällen, Schwämmen oder speziellen Massagerollern, kann man verstärkt Berührungsreize abgeben und erreicht damit auch tiefer gelegene Gewebeschichten. Gefühlsstörungen kannst du so gezielt entgegenwirken, gänzlich vermeiden lässt es sich aber dennoch nicht bei jeder Frau. Die Narbe selbst sollte stets nur sanft massiert werden, Hilfsmittel dieser Art sind nur für die umliegenden Strukturen relevant.

Freie Praxen für Physiotherapie und Ergotherapie bieten ihren Patienten oftmals ein gutes Angebot an fachmännischer Unterstützung bei der Narbenpflege. Besonders Frauen, die zu recht wulstigen und schlecht heilenden Narben neigen, sind oft gut damit beraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ist eine Narbe frisch, lässt sich in vielen Fällen der Heilungsverlauf positiv beeinflussen, bei älteren Narben ist dies meist nur noch in sehr langwierigen Behandlungen möglich. Viele freie Hebammen bieten ihren von ihnen betreuten Müttern an, die Narbe zu tapen, aber auch Akupunktur ist ein bewährtes Mittel nach einem Kaiserschnitt, beide Techniken können die Wundheilung positiv beeinflussen. Frage deine Hebamme sowie deine Gynäkologin nach weiteren Tipps und Methoden zur Narbenpflege.

Nach einem ungewollten Kaiserschnitt sind die körperlichen Narben oft das kleinere Übel – das verpasste Geburtserlebnis, das sterile Antlitz eines OP-Raumes, urplötzlich ist da ein Bündel im Arm, ohne Bezug zu deinem Ich, eine solche Geburt hinterlässt bei vielen Müttern einen negativen Beigeschmack. Im Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern, in darauf ausgelegter Fachliteratur oder einfach im Gespräch mit deiner Hebamme oder Gynäkologin kann das Erlebte aufgearbeitet werden – Wege gibt es viele, gehe sie.

Deine Kaiserschnittnarbe ist nun ein Teil von dir, eine bleibende Erinnerung an die Geburt deines Kindes, ein Souvenir auf dem Weg in sein Leben, eine sichtbar gewordene Spur, welche dein Kind für dich hinterlassen hat, als wollte es dir sagen, schau Mama, hier bin ich entlang gegangen um dir endlich nahe sein zu können. Auch die eigenen Emotionen haben Einfluss auf die Wundheilung – Sind mit deiner Narbe eher negative Gefühle verbunden, kann dies in einer Therapie oder Beratung aufgearbeitet werden, besonders mit körpertherapeutischen Methoden lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Deine Kaiserschnittnarbe ist nicht dein Feind oder ein Mahnmal eines schrecklichen Tages, sie sollte für das Leben stehen, das Leben deines Kindes.

Einige Jahre nach dem Kaiserschnitt zeigt sich deine eigentliche Narbe, im besten Fall ist sie zu einem zarten, dünnen Strich geworden, der sich spürbar nur wenig oder selten bemerkbar macht und für dich zu einer positiven Erinnerung geworden ist. Mögliche Taubheitsgefühle legen sich bei den meisten Frauen nach etwa einem Jahr, bei manchen bleiben jedoch vereinzelt taube Stellen um die Narbe herum zurück. Durch eine gezielte Desensibilisierung ließe sich aber auch dagegen etwas tun. Nach einem weiteren Kaiserschnitt dünnt die Narbe aus und benötigt teilweise eine andere Pflege, lass dich dazu und zu allen anderen Fragen ausführlich von deiner Gynäkologin beraten oder tausche deine Erfahrungen mit anderen Müttern aus.