Hinter den Worten – (m)ein Autorenportrait

von | 23.07.2016 | In eigener Sache | 0 Kommentare


 

In den letzten Wochen ging es in meinem Leben ziemlich turbulent zu, Gefühle flogen durch die Luft, von A nach B und wieder zurück, seitdem täglich im Wechsel und heute in genau 2 Monaten jährt sich zudem die Veröffentlichung meines ersten Buches zum 5. Mal – ein Grund für noch mehr Gefühle, zum Feiern und um mich zu zeigen, in all meiner schriftstellerischen und menschlichen Herrlichkeit. Heute möchte ich Euch einladen, mit mir in die Tiefen meines Daseins einzutauchen. Wer bin ich eigentlich und warum zur Hölle mache ich das hier? Ich werde es Euch erzählen, und zwar von Anfang an… es waren einmal eine Eizelle und eine… nein, nein, den Anfang meinte ich nicht, das wäre etwas zu weit, obwohl wenn ich an die Worte meiner Mutter denke, dann ist dieser Anfang gar nicht so verkehrt, aber ich gehe ein paar Monate weiter… zum Tag meiner Geburt.

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Es war der 1. April 1984, als bei meiner Mutter Wehen einsetzten. Der Hang zum Komischen lag mir wahrscheinlich schon im Blut, denn ich ließ sie den ganzen Tag bangen, doch nein, ein Aprilscherz wollte ich nicht werden, also entschied ich mich dazu den nächsten Tag zu meinem großen Tag werden zu lassen und erblickte gegen Mittag, eine, wie ich finde, absolut vorzügliche Zeit um geboren zu werden, das Licht der Welt, es war zwar nicht so superhell und irre erleuchtend, wie ich es mir ausmalte, aber es war zumindest nicht mehr so nass wie im Bauch meiner Mama. Ich kam natürlich zur Welt, ohne Skalpell und Operateure, dafür mit jeder Menge Sturm und Schnee und das im April – mit meinem Hang zum Komisch-Dramatischem. Da war ich nun – eine Nerdette, wie sie im Buche steht, mit Brille, Deutsch Leistungskurs und Lieblingsfach Latein. Chillen, Partys, Drogen, Männer, alles nicht mein Ding, obwohl warte, Letztere habe ich doch einige gehabt, sonst wäre das ganze Lernen doch langweilig geworden ohne ein paar Kerle zwischendurch, die mich vom Lernen abhielten und daran erinnerten, dass ich irgendwann, in einer weit entfernten Galaxie, Babys bekommen würde. Ich erspare Euch mal die ganzen langweiligen Details, von wegen abgebrochenes Abitur, Ausbildung zur Ergo- und Lerntherapeutin, Arbeit hier und da, Ehrenamt, ungenutzte Chancen, Mobbing, Arbeitsgericht, Freiberuflichkeit, noch mehr Fortbildungen und dazwischen ein Mann, 2 Kinder und eine Hochzeit, okay, davor gab es auch Männer, aber Ihr wisst ja, wie das ist…

Jedes Jahr zu meinem Geburtstag erzählt mir meine Mutter aufs Neue vom Tag meiner Geburt, seit ich, hm, seit wann eigentlich, ach ja, seit mein Körper in der Lage ist, schwanger zu werden. Kind, sagte sie während meiner Pubertät immer wieder, lass dir Zeit mit den Babys, denk immer an die Verhütung, und wenn du dann mal eine Familie gründest, dann leg dich gleich in einen OP, ich wünschte, ich hätte eine Wahl gehabt, ich hätte nie natürlich entbunden. Sicherlich waren ihre Worte nicht einzig und allein ausschlaggebend für das, was ich heute mache, aber sie haben mich geprägt und nachdenklich gemacht. Die medizinischen Fakten und die Konfrontation mit einigen geburtsgeschädigten Kindern in meiner Ausbildung haben ihr Übriges getan. Das Gefühl mich in einem OP sicherer zu fühlen als in jedem Kreißsaal gab mir den Rest. Bis zu meiner eigenen, ersten Schwangerschaft aber waren das für mich eher Worthülsen und Gedankenfetzen, die ich zu Kaffee und Torte quasi schon vorhersehbar dazu serviert bekam und die hin und wieder in mein Hirn krochen, aber dort nur kurz blieben, noch gab es da nicht viel für sie zu tun. Doch dann, im Jahr 2009, wurde ich schwanger, mit meinem ersten Kind und plötzlich rückte das Thema Geburt so nah, dass es mir vom ersten Gedanken daran am Hintern zu kleben schien. Angemeldet in einem Forum für Mamis und die, die es werden wollten, war ich bereits, super, der erste Schritt Richtung Mütterolymp war also getan, ich hibbelte, untersuchte meinen Muttermund und machte all diese witzigen Dinge, um schwanger zu werden und dann, BÄM, war ich es, und zwar sofort, als hätte diese süße Eizelle nur auf diesen einen Freigang gewartet um sich endlich mal so richtig ordentlich befruchten zu lassen und schon war ich dem Thema Geburt näher als mir lieb war. Und ich begann zu lesen… über Geburten im Kreißsaal, Kaiserschnitte, Hebammen, Stillhütchen und all diesen ganzen Kram, den man hormongedüngt bis zu den Zehenspitzen plötzlich ganz freiwillig inhaliert, als gäbe es nichts anderes mehr im Leben.

Und dann kam dieser eine Tag, der mir die Richtung vorgeben sollte, als wäre es mir vorbestimmt gewesen, heute hier zu sitzen und Euch in mein Leben einzuladen. An diesem Tag erfuhr ich von meiner Gynäkologin das Geschlecht meines ersten Kindes und in meinen Mutterpass trug sie ein Wort ein, das mir bis heute immer wieder begegnen sollte – Beckenendlage. Dieses Wort öffnete mir die Türen zum OP, zum Kaiserschnitt und zu einer Karriere, von der ich an diesem Tag noch nicht einmal etwas ahnte. Ich werde nie die tröstenden und liebevoll gesäuselten Worte meiner Gynäkologin vergessen, die, nachdem sie das böse Wort »Kaiserschnitt« aussprach, regelrecht das Unausweichliche zu erwarten schien und verbal einen Schritt zurückwich, damit ich Platz hatte für meine Wut, meinen Frust, all diese negativen Gefühle, doch sie kamen nicht, nicht bei mir. Ich war nicht wütend oder frustriert, nein, ich war froh, erleichtert, es war mir egal, dann saß mein kleines Scheißerle eben, na und, ich würde einen Teufel tun und meinem Baby vorschreiben, was es in seiner kleinen Blase zu tun und zu lassen hatte. Nein, ich grinste in mich hinein und sah mich schon lächelnd im OP liegen, meine kleine Welt war in Ordnung. Doch ganz so einfach wurde es dann doch nicht, aber meine Kinder standen offenbar hinter mir und blieben sitzen, bis zum Schluss, zur Geburtsplanung gab es einen Termin, abgehakt, weiter im Text. Heute, nach 2 Kindern, die beide beinah durchgehend in dieser Sitzposition blieben, sind sich einige meiner behandelnden Ärzte einig, dass es einen Grund gab, warum sie so saßen und dass selbst bei einer Drehung die Wahrscheinlichkeit gering gewesen wäre, sie auf natürlichem Wege zu entbinden und das trotz meines mehr als gebärfreudigen Beckens, wie mir vor einigen Jahren offenbart wurde.

Soweit, so sinnführend – noch im Laufe meiner ersten Schwangerschaft begegnete mir dieses andere Wort, was mich noch viel mehr prägen und meinen Weg ebnen sollte, als jedes andere: »Wunschkaiserschnitt«, da war es also, so neu und unbekannt und doch schien es mich geradezu magnetisch anzuziehen. In einer kleinen supergeheimen, elitären Gruppe im bereits erwähnten Forum fing alles an, Fragen wurden gestellt und beantwortet, es wurde sich ausgetauscht und gemeinsam geklönt und geschimpft, es war richtig kuschelig und es dauerte nicht lange, bis ich meine Adminkarriere starten sollte. Mein Sohn wurde geboren und die Oberärztin persönlich hob meinen Prachtjungen aus mir heraus und bescherte mir den ersten durchgehend unvergesslichen Tag in meinem Leben. Doch vorbei war es damit lange nicht, es war erst der Anfang von etwas, was mich heute längst im Griff hat und mein tägliches Dasein bestimmt. Etwa 1,5 Jahre nach der Geburt meines Sohnes brachte ich mein erstes Buch auf den Markt (Wunschkaiserschnitt: Für eine selbstbestimmte Entscheidung – September 2011) und heute, 5 Jahre und ein weiteres Kind später, hocken Buch Nummer 2 und 3 bereits in den Startlöchern und warten nur auf den großen Moment, an dem ich sie in die große, weite Welt entlasse. Nebenbei bin ich Admin zweier Gruppen zum Thema Wunschkaiserschnitt auf Facebook, aus meiner 2011 gegründeten Homepage wurde zum Jahresanfang ein Blog und zeitgleich dazu kam eine eigene Seite auf Facebook dazu, damit jeder, der mag, mir auf meinem Weg Gesellschaft leisten kann.

Ich wurde in den letzten 5 Jahren beleidigt, persönlich und fachlich, ich wurde kritisiert, aufs Schärfste und das nur selten konstruktiv, ich habe hunderte E-Mails bekommen und jede Einzelne von ihnen gelesen, ich wurde belächelt, von vielen, immer wieder, ich wäre nur eine Phase, haben sie gemeint, ich gehe vorbei, bald wäre ich weg und das Thema ist vom Tisch, doch ich muss sie alle enttäuschen, denn ich bin nicht weg! Ich bin immer noch da und ich bin größer, stärker und informierter wie nie und noch nie hat es so viel Spaß gemacht, zu konfrontieren, zu provozieren, zu polarisieren, wie heute, ja ich will laut sein und ich werde nicht mehr aufhören, niemals, denn hinter mir stehen tausende Frauen, die mir dankbar sind für jedes Wort, für jeden Artikel, jedes Buch, jeden Moment, in dem ich meine Stimme erhebe und der Welt meine Gedanken an den Kopf werfe, unterschrieben mit den Tränen und dem Blut all dieser Frauen. Mein Büro beherbergt Fachbücher, Zeitschriften, Artikel und alles nur irgendwie Nützliche zum Thema Geburt, meine Favoritenliste in meinem Browser platzt aus allen Nähten und täglich kommt neues Futter für meinen Arbeitsnapf hinzu – selbst wenn ich wollte, mal eben von diesem Zug abspringen, würde mir gar nicht gelingen, ich stecke bildhaft gesprochen mit den Händen im Bauch der Mutter und eröffne gerade die Fruchtblase, gespannt auf all das, was noch vor mir liegt, vorsichtig aber immer das Ziel vor Augen. Doch ich bin noch lange nicht am Ziel, ich bin noch lange nicht fertig, ich bin gewachsen in den letzten 5 Jahren, richtig, aber ich bin noch nicht am Ende meines Weges angekommen, noch lange nicht. Mein Netzwerk bereichern mittlerweile einige Journalisten, Autoren, Ärzte und dazu jede Menge Mütter, die meine Arbeit mit ihren Erfahrungen unterstützen, für sie, ihre Töchter und Enkelinnen.

Und ich werde nicht müde mich dem Paradoxon der Selbstbestimmung im Kreißsaal zu widmen und ihm mit geballter Wortpower zu begegnen, so wie die Powerpuffgirls, nur ohne die großen Kulleraugen, allein und anstatt mit farbenfrohen Strahlen kämpfe ich mit Worten, einer Macht, die viele nach wie vor unterschätzen, doch die in meinen Händen immer mehr zu wachsen beginnt und ich hoffe, die nächsten 5 Jahre werden genauso großartig, emotional und herausfordernd wie die Letzten. Ich wünsche mir, weiter an meiner Arbeit zu wachsen, ich freue mich auf all die E-Mails und Nachrichten meiner Leserinnen und auf all die vielen wundervollen Kaiserschnittchen, die mir noch begegnen werden. Ich verneige mich vor Euch, vor meinen Leserinnen, meinen Followerinnen und Likeschenkerinnen, vor meinen Gruppenmitgliedern, denn Ihr alle seid Königinnen, einzig wahre Göttinnen, echte Kreißsaalsöldnerinnen, kampferprobte Kriegerinnen, wortgewandte Spezialistinnen und die besten Leser und Fans, die ich mir für meine Karriere hätte wünschen können und ich freue mich auf jedes weitere Jahr mit Euch. Ohne Euch wäre meine Stimme nicht ansatzweise so groß, ohne Euch hätte ich nichts, wofür es lohnen würde, zu kämpfen und sich den Gräuel so mancher Leute einzufangen. Warum ich Euch danke? Weil in Euch meine Motivation steckt, der Grund für meine eigentliche berufliche Existenz – Eure Tränen, Eure Ängste, Eure Wut und Euer Wunsch, dass es Eure Töchter mal leichter haben als Ihr, daraus ziehe ich meine Motivation und aus all denen, die Euch angreifen, aus denen, die Euch eine verbale Klatsche nach der anderen verpassen wollen, aus denen, die ich versuche mit jedem Wort wachzurütteln. An denen ich solange zerre, bis sie mich wirklich hören und verstehen. Wenn mir eine Mama schreibt, wie sehr sie mir für jedes Wort dankt, dann sitze ich vor meinem Laptop und weine, nicht weil mich ihre Worte traurig oder fröhlich stimmen, sondern damit mich meine Tränen daran erinnern, wofür ich all das tue, Tag für Tag, für sie, für Euch alle, für eine Zukunft, in der jede Frau selbst darüber bestimmen können sollte, wie sie ihre Kinder entbindet, ohne Rechtfertigung, ohne zu argumentieren oder verbal eine Abtreibung gewünscht zu bekommen, ohne sich von anderen Müttern verbal zerfleischen zu lassen, für eine Gesellschaft, in der alle Mütter liebevoll miteinander leben können, ohne Stufen in alle Richtungen, auf die uns nur die anderen stellen, ohne all das hormonverseuchte Gehacke, ohne all den Schmerz, der nur weitergegeben und nicht verarbeitet wird. Für Euch schreibe ich jedes Wort, lese ich jedes Fachbuch, drehe jede Elternzeitschrift auf links, durchwälze das Internet nach Artikeln, erstelle noch hunderte Umfragen und schreibe noch tausende Bücher, wenn es sein muss. Und wenn Euch irgendwann mein Gesicht vom heimischen Fernseher anstrahlt, dann bin ich Euch wieder ein Stück näher gekommen.

DANKE! Mit ordentlich geiler Verbeugung, Hofknicks, Blumen, Pralinen, alles eingehüllt in funkelnde Glitzersteinchen bis das Östrogen nur so strömt, so wie sich das eben gehört.

Und Ihr alle seid zu meiner fetten 5-Jahres-Kaiserschnittchen-Party im September eingeladen. Es wird etwas zu gewinnen geben und ich werde on tour sein und berichten, live, in Farbe und bunt – und ich werde es genießen, denn nein, Worte allein reichen mir nicht mehr, ich will Euch kennenlernen, Euch besuchen, die Quote sichtbar machen! Also seid gespannt, ich bin gerade erst dabei, die nächste Stufe zu erklimmen und ich nehme Euch mit, wohin meine Wege mich auch führen mögen.

Für Euch. Mit Euch. Mit mir – unbefristet und in Vollzeit! Meine Berufung trägt einen Namen – Wunschkaiserschnitt! Und darunter schreibe ich jeden einzelnen Namen von Euch, immer und immer wieder.

Bis der Vorhang fällt…

Nancy Bujara – Mutter, Tochter, Schwester, Frau, Autorin, Göttin, Kriegerin und ewiges Powerpuffgirl