Uuuund, Schnitt! Wie ein Kätzchen eine Fangemeinde spaltet

von | 12.04.2016 | Im Fokus | 0 Kommentare


 

Die Katze, besser bekannt als Daniela Katzenberger, ist Mama. Sie und Lucas Cordalis haben am 20. August 2015 ihre erste gemeinsame Tochter auf der Welt begrüßen dürfen. Die kleine Katze hört auf den zuckersüßen Namen Sophia und macht ihre Eltern zu den glücklichsten diesseits der Flimmerkiste. Das weißt du bereits? Oh, gut, das dachte ich mir natürlich schon, immerhin ging es durch alle Medienkanäle und Babykätzchen Sophia ist bereits knappe 8 Monate alt, aber wusstest du auch, dass sich ab diesem Moment auch ein nebulöses Wurmloch aufgetan hat, was Mütter auf tückische und höchst aggressive Weise dazu bewegt, auf ihrer Chronik wild darüber zu debattieren, dass sich ein freiwilliger Kaiserschnitt so gar nicht ziert und der Promibonus ja mal absolut nichts ist, womit man sich brüsten sollte? Nein? Du bist nun aber doch neugierig und willst wissen, was es damit auf sich hat? Dann herzlich willkommen in meinem neuesten Blogpost.

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Seit der Geburt der kleinen Katze gibt es kaum einen Beitrag, der mit ihrer Geburt in Verbindung steht und den ihre Mama Daniela ohne Vorbehalte und mit guter Absicht mit ihren Fans teilen möchte, unter dem es nicht heiß hergeht und jedes Mal aufs Neue eine Debatte darüber entfacht, wer was wie zu entscheiden hat und warum zur Hölle gibt es überhaupt Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen? Was hat das eigentlich alles mit Daniela zu tun, fragt sich die geneigte Leserin. Nun ja, lass es mich erklären. Noch während ihrer Schwangerschaft machten Gerüchte die Runde, dass sie einen Kaiserschnitt präferiere, ein Herzfehler sei der Grund. Soweit, so ihr Ding. Möchte man meinen zumindest. Weit gefehlt. In einer Solidargemeinschaft gibt es keine einzelnen Entscheidungen, in die einem keiner reinzureden hat. Wie, das war dir neu? Na dann aber hurtig die virtuelle Schulbank gedrückt und lass dich eines Besseren belehren. Immerhin weiß die Mehrheit in den sozialen Medien so viel besser, was gut für dich, deine Kinder, deinen Mann und deine Vagina ist. Natürlich. Wie kann man auch nur annehmen, dass man das selbst weiß. Pah. Also ehrlich mal, das hast du geglaubt? Wahrscheinlich glaubst du dann auch an Fabelwesen, die in den Bäumen leben und Blumen mit kleinen grünen Gießkannen bestäuben…

Aber noch einmal: Was hat das alles mit Daniela und ihrer kleinen Familie zu tun? Im Grunde gar nichts, doch offenbar ist es leichter, sich vor einer fremden Haustüre auszutoben, als vor der eigenen. Mich persönlich ärgert das sehr und manchmal hoffe ich, dass die Katze keine Zeit hat, all das zu lesen, damit sie sich davon gar nicht erst das Herz schwer werden lässt. Ich habe keine Ahnung, warum sie ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen hat, was genau dahinter steckt und wieso, weshalb und überhaupt, aber ich muss das auch nicht wissen, denn es geht mich schlichtweg nichts an. Sie ist erwachsen und sie ist eine gestandene Frau, die sich einen schnuckeligen Mann geangelt und das gemacht hat, was die meisten Frauen mit ihm angestellt hätten – süße Babys machen und sich einen fetten Ring anstecken lassen. Glückwunsch, liebe Daniela, dir steht dieser Mann, dieses Mädchen in deinen Armen so gut, das Glück in deinen Augen reißt mich immer wieder mit, und immer wenn ich dich sehe, denke ich daran, wie ich nur 15 Tage vor dir in einem OP lag und meine eigene Tochter auf der Welt begrüßen durfte. Doch ich bin kein Fernsehstar, an mir hat die Öffentlichkeit kein gesteigertes Interesse, zumindest nicht genug, im Gegensatz zur Katze, die im Rampenlicht steht, was offenbar ausreicht, um sie in das Zentrum einer scheinbar endlosen Debatte zu stellen. Gefragt hat sie dabei keiner. Der Fluch des Ruhms könnte man sagen, eine Konsequenz, mit der sie leben muss, wenn sie sich im OP filmen lässt, während sie Mutter wird? Grenzen? Respektvolle Distanz? Rücksicht auf die nicht öffentlichen Hintergründe für ihren Entscheid? Fehlanzeige. Und das, glaubt man so mancher Kommentierenden, zu Recht. Und wenn man schon mal dabei ist, die verbale Keule zu schwingen, weil sich das heute so schickt, dann aber richtig, mit Anlauf und ordentlich Schmackes, damit man auch genug trifft.

Und es sind nicht nur die Chroniken von Frauen, die nicht genug Beweise dargelegt haben, dass sie keine andere Wahl hatten, als so zu entbinden, nein, diese Schlachten reisen, von einem Beitrag zum nächsten, von einer Seite zur anderen, sie wandern geradezu durch die sozialen Medien und es reicht ein Funke, ein kleiner, unbedachter Kommentar und sie entbrennt von Neuem. Man sollte meinen, die Mütter von heute, hätten keine anderen Sorgen, als sich über das Für und Wider zum Thema Geburt den Kopf zu zerbrechen. Doch wenn ich manche Beiträge so lese, kommt es mir ganz genauso vor. Manche Kommentare wirken so erschreckend und verletzend, dass man dahinter keine liebenden Mütter, die zwischen den Tasten ihre Kinder auf die Stirn küssen, weil sie schauen wollten, was sie so feines am PC machen, vermuten würde, sondern kleine trollige, bösartige Monster mit Hörnern und Warzen, welche dich blutrünstig anbrüllen und dir dabei einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Sind Frauen, die selbst entbunden und dabei erfahren haben, wie Mutterglück sich anfühlt, wirklich fähig, so verbale Tiefschläge zu verpassen? Oh ja und wie sie das sind. Und das nicht zu knapp. Bevor ich selbst Mutter wurde, war ich mir der verbalen Brutalität, die mich im Mutteruniversum erwarten würde, nicht einmal ansatzweise bewusst und wahrscheinlich war das auch ganz gut so. Und das Internet ist ein geradezu perfekter Spielplatz, in dem sich jede noch so emotional entglittene Mutter, an anderen austoben darf, ohne die Folgen auch nur sehen, geschweige denn ertragen zu müssen. Es ist so einfach geworden, andere Menschen zu verletzen, sie zu bevormunden, ihnen eine Meinung, einen Weg, einen Entscheid aufdrücken zu können, ein Klick und du gehörst mir, einfach so, weil ich es kann. Bäm, da schauste dumm!

Glücklicherweise darf heute jede Frau selbst über ihren Weg entscheiden, denkst du dir gerade? Sicherlich darf sie das, doch zu welchem Preis? Hinter jeder Frau, die sich für einen Weg entscheidet, stehen 10 weitere Frauen, die sie dafür verbal steinigen und keiner hindert sie daran. Und dann wird gemeinsam gegen einen Mann gewettert, der es sich erdreistet hat, auf einer Feier einer Frau einen Moment lang zu tief ins ein- oder eher ausladende Dekolleté geschaut zu haben. Nein, der Wüstling, wie kann er nur und überhaupt, die bösen Männer, die uns ja heute nichts mehr zu sagen haben, wir haben es ihnen gezeigt. Dass wir im Grunde gar nichts erreicht haben, weil wir uns nicht befreit, sondern uns nur gegenseitig die Fäden in die Hand gegeben haben, über die wir unsere Lebenswege steuern, wird ausgeblendet. Wir haben nichts in der Hand. Wo früher ein Mann vor uns stand, der meinte über uns bestimmen zu müssen, stehen heute 10 Frauen vor uns. Und liebe Frauen, jede von uns weiß doch, dass wir mit einem Mann viel besser fertig werden, wie mit 10 anderen Frauen, also warum tun wir uns das an? Immer wieder und überall? Muss das wirklich sein?

Ich wage nicht mehr nach dem warum zu fragen, ich gebe zu, ich fürchte mittlerweile auch die Antworten. Warum sind manche Frauen so? Was ist mit ihnen wohl passiert, was sie verbal so enorm ausarten lässt, was sie so kühl und bestimmend verbal entrücken lässt? Ist es Frust? Nicht verarbeitete emotionale Tiefschläge? Neid? Chronisch untervögelt? Oder sind wir Frauen schlicht gesagt einfach nur unfähig uns frei und selbstbestimmt zu bewegen? Sind die Ketten der jahrhundertelangen Männerherrschaft immer noch in uns drin, unsichtbar aber nicht verschwunden? Sind wir überhaupt fähig, selbstbestimmt zu denken und zu handeln? Haben wir es etwa verlernt frei zu sein? Müssen wir uns das erst mühsam wieder aneignen? Denn was ist nur mit den Frauen von heute los? Was ist so schwer daran, einer anderen Frau das Glück ihres Lebens zu gönnen und sich mit ihr zu freuen, über ein Lächeln ihres Kindes, die erste Ausfahrt im Familienauto, über das erste Kleid, den ersten Zahn, den ersten Geburtstag? Ich bin so müde, nach dem warum zu fragen, oft genug möchte ich am liebsten durch das Display meines Laptops kriechen und die Frauen anschreien, sie schütteln, sie fragen, was zur Hölle eigentlich mit ihnen los ist, bis sie zur Vernunft kommen und erkennen, dass sie nicht sie selbst waren, dass sie eine Grenze überschritten und sich dabei selbst verloren haben. Ich wünsche ihnen diese Erkenntnis, aber noch viel mehr hoffe ich, dass die kleine Sophia nicht mehr im Zentrum einer Debatte stehen wird, für die sie weder etwas kann, noch dass es für sie eine Rolle spielt. Sie ist das Glück, ein Wunder für ihre bekannten Eltern und das wäre sie auch, wenn diese die völlig unbekannten Schmidts von nebenan wären. Das sind sie nicht. Doch das allein sollte kein Grund sein, auf ihrem Rücken verbale Schlachten um etwas zu schlagen, was ohnehin nur die Frauen selbst zu entscheiden haben. Bleibt zu wünschen, dass die Katze es mit ihrem wundervollen Humor nimmt und sie all das an ihrem schönen Katzenrücken herunter rutschen und sie sich davon niemals das Leuchten in ihren Augen bei dem Blick auf ihr Kätzchen, trüben lässt. Die Krallen auszufahren, hat ohnehin keinen Zweck, egal wie berühmt berüchtigt jemand ist, an so einer Debatte kann man sich nur die Finger verbrennen, egal wie man es macht. Also Mädels, die Krallen lieber lackieren, als sie auszufahren und dann ein miau auf uns alle.

Wir sind wir, befreien wir uns endlich.